Kunst am Markt

Kunststand, Kunstpreis

Kunst-Stand
Eindrückliche Kunstwerke von talentierten Menschen mit Behinderung werden am Kunststand im Eingang Fünfeckhaus verkauft.

Kunststand im Eingang Fünfeckhaus
Kunststand im Eingang Fünfeckhaus

 

Trogener Kunstpreis-Verleihung

Am 31. Trogener Adventsmarkt wurden am Samstag zum zwölften Mal die Trogener Kunstpreise für begabte Menschen mit Behinderung verliehen. Sie gingen an Doris Zimmermann (Johanneum, Neu St. Johann), ;Myriam Grob (Quimby Huus, St. Gallen) und Christoph Diemand (Zürcher Eingliederung, Zürich).
Den Preisträgern wird im Lauf des Jahres 2017 eine Ausstellung im Einkehrlokal Ernst in Trogen ausgerichtet.

Doris Zimmermann
Die 1964 geborene Doris Zimmermann lebte bis zu ihrem 14. Altersjahr zusammen mit zwei Schwestern und zwei Brüdern in ihrer Familie im st. gallischen Gossau. 1978 trat sie ins Johanneum Neu St. Johann ein, besuchte dort die Schule und wechselte als junge Erwachsene ins Wohnheim. Bis 2013 arbeitete sie in den Industriewerkstätten; Stricken und Häkeln im Textilatelier, Malen und Zeichnen boten einen willkommenen Ausgleich zur täglichen Arbeit. Die Wochenenden verbrachte sie bis vor zwei Jahren bei ihren inzwischen verstorbenen Eltern; mit ihren Geschwistern aber hat sie bis heute regelmäßig Kontakt. 2013 wechselte Doris Zimmermann von den Werkstätten in die Beschäftigung, wo sie sich ohne Zeit- und Leistungsdruck kreativ betätigen kann. Hier entstehen auch ihre grossformatigen, intensiv farbigen Filz- oder Farbstiftzeichnungen – Landschaften zumeist mit Bergketten und eng aneinander gereihten Häusergruppen, in denen sie sich von der Umgebung inspirieren lässt.

Doris Zimmermann: Landschaft, 2015, Filzstift, 42×49 cm

Myriam Grob
Die 1981 zusammen mit einer Zwillingsschwester geborene Myriam Grob erlitt während der Geburt eine schwere cerebrale Schädigung und ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Ihre Vorschul- und Schuljahre absolvierte sie in der CP-Schule St. Gallen; aufgehoben aber war sie in ihrer Familie in Niederteufen, wo sie mit andern Kindern spielte, sich mit dem Vater auf die Skipiste wagte und auch aktiv als Rollstuhl-Hockeyspielerin Sport trieb. Als 19jährige trat sie ins eben eröffnete Quimby Huus, wo sie auch heute noch lebt; der Wechsel von der Familie in eine Institution fiel ihr nicht leicht, doch hat sie sich mittlerweile in ihre neue Umgebung eingelebt. Malen und Zeichnen waren ihr schon während der Schulzeit wichtig. Mit Schwämmen, grossen Pinseln oder Malerrollern malte sie meist am Boden ihre bunten Bilder. Im Quimby Huus nutzte sie später auch das Angebot des neuen Malateliers, wobei sie weiterhin fast ausschliesslich auf dem Boden malte. Als der Platz im Atelier enger wurde, wechselte sie unter der Anleitung ihrer Betreuerin auf den Tisch, wurde in ihrem Schaffen zusehends selbständiger und arbeitet heute weitgehend ohne fremde Unterstützung. Selbstbewusst und eigenständig setzt sie ihre Ideen in einer eigenen markanten Bildsprache um.

Myriam Grob: „Funkensonntag Böögg“, 2014, Mischtechnik, 45×30 cm

 Christoph Diemand
Grossvater, Vater, Onkel, Bruder und Neffe: Alle waren oder sind sie Architekten. Auch Christoph Diemand sagt von sich: „Ich bin Architekt. Hüüser baue, abrisse, holze, Bäum iipflanze…nu das.“ Täglich entsteht auf seinem Tisch ein neuer Bau, fast ausschliesslich mit dem Bleistift auf weisses Papier gezeichnet; die vielen Farbstifte, die er ebenfalls täglich in seiner Tasche mitbringt, aber bleiben ungenutzt.
Stöffi, wie Christoph Diemand von allen genannt wird, wurde 1956 geboren, behindert durch ein Geburtstrauma. Seine gesamte Schulzeit verbrachte er in anthroposophischen Schulen, 1974-76 im damals neu eröffneten Heim Neuschwendi Trogen, von wo er nach zwei Jahren in die eben gegründete Zürcher Eingliederung wechselte. Bis 2004 lebte er zuhause in der Familie, seit 12 Jahren in einer Wohngruppe im Schweizerischen Epilepsiezentrum in Zürich. Die Wochenenden verbringt er mit Bruder und Schwester; die Freizeit gehört seiner riesigen Sammlung von Miniaturautos, für die er seine ganzes Taschengeld ausgibt.
Täglich aber entstehen auf seinem Tisch ein neuer Bau, Häuser und Kirchen, die vielen Menschen Platz bieten, lichtdurchflutete Gebäude mit vielen Fenstern. Und rund herum wachsen Bäume, knorrige Baumriesen, nicht so kleine dekorative Stadtbäumchen, wie sie heute Mode sind. Eine eigene Welt „ganz in Graphit“, für die Stöffi in der Zürcher Eingliederung letztes Jahr den „goldenen Bleistift für 40 Jahre unermüdliche Planung von Grossbauten mit Baumbestand“ erhielt.

Christoph Diemand: Baum, 2016, Bleistft, 21,2×29,7 cm